Veranstaltungsbericht: Ungarn nach der Wahl - Kurswechsel oder Kontinuität?

Am 21.04.2026 lud die Bonner Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik (BHAS) zu einem Expertinnengespräch mit Dr. Magdalena Marsovszky zum Thema „Ungarn nach der Wahl: Kurswechsel oder Kontinuität?“ ein.

Angesichts der Wahl und einem bevorstehenden Regierungswechsel in Ungarn diente die Veranstaltung der Vertiefung und Diskussion verschiedener Fragestellungen zur politischen Lage im Land.

 

In ihrem Vortrag analysierte Dr. Marsovszky zunächst die ideologischen Pfeiler der Ära Orbán. Seit der neuen Verfassung von 2012 sei Ungarn durch Geschichtsrevisionismus und eine kulturelle Hegemonisierung geprägt worden. Die Referentin konstatierte eine illiberale Wende, die sich im Umbau der Medienlandschaft und der Universitäten sowie im „Souveränitätsgesetz“ von 2023 manifestierte. Demgegenüber steht der Erfolg von Péter Magyar und seiner TISZA-Partei, die nun über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügt. Während Magyar durch sein traditionelles Auftreten auch konservative und rechte Kreise anspricht, setzt sein Programm auf ein klares Bekenntnis zur EU und der NATO sowie auf die Wiederherstellung von „Checks and Balances“.

 

Nach dem Vortrag von Dr. Marsovszky folgte ein Gespräch zwischen ihr und Moderator Fabian Etscheid. In diesem Teil wurde Orbáns Wandel vom vermeintlich liberalen Politiker der 1990er Jahre hin zum rechtsaußen agierenden Akteur beleuchtet. Diese Entwicklung sei nicht plötzlich erfolgt, sondern durch den langfristigen Aufbau Fidesz-naher Medienstrukturen vorbereitet worden. Zudem wurden die internationalen Verflechtungen Orbáns zur MAGA-Bewegung und die ideologische Nähe zu autoritär-nationalistischenrussischen Denkschulen thematisiert.

 

Mit dem Beginn der Publikumsfragen verlagerte sich der Fokus auf die Erfolgsaussichten der neuen Regierung und die Rolle der Europäischen Union. Diskutiert wurde, inwieweit der Druck durch EU-Hilfsgelder und Magyars pro-europäischer Kurs tatsächliche Veränderungen bewirken können. Zwar biete die Einbindung von Bürgerrechtlern in die TISZA-Regierung Anlass zur Hoffnung, doch lasse sich die politische Zukunft nur bedingt prognostizieren. Abschließend blieb die Frage offen, ob dies ein dauerhafter Rückzug ist oder ob Fidesz bereits an einer neuen, langfristigen Strategie zur Rückeroberung der Macht arbeitet.